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Markus 6,7-13

Aussendung der Zwölf

„Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen“ (Markus 6,7-8).

       Häufig wird mit Bedauern festgestellt, dass der Glaube unter den Christen schwach geworden ist. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Viele Menschen sind gläubig. Was die einzelnen Christen aber glauben, ist keineswegs einheitlich. Die Meinungen gehen da weit aus einander, auch bei vielen Katholiken, die doch das kirchliche Lehramt haben. Die Bindung an die jeweilige Kirche ist oft dürftig. Vielfach ist der Glaube vieler Christen sehr persönlich geprägt. Sie ertragen es nicht, wenn jemand behauptet, sein Glaube sei doch der richtige. Und wenn dann noch jemand meint, die katholische Lehre sei die einzig richtige, werden nicht wenige Menschen unangenehm. Eine allgemein gültige Glaubenslehre wird von vielen Christen rundweg abgelehnt. Das ist die Stimmungslage, in unserer Zeit.

 

       Jesus sendet seine zwölf Apostel aus, um das Reich Gottes zu verkündigen, Kranke zu heilen und Dämonen auszutreiben. Später wird Jesus 72 Jünger auf einmal aussenden, um in den Orten, wohin Jesus selber kommen wollte, das Reich Gottes zu verkündigen (vgl. Lk 10,1). Die Apostel und Jünger konnten aber den Menschen den Glauben nicht bringen. Ihre Aufgabe war es nur, Jesus bekannt zu machen. Jesus selber schenkt jenen den Glauben, die ihm die Tür ihres Herzens öffnen.
       Wie die Apostel von Jesus gesandt wurden, so sind alle Christen gesandt, auf den Herrn hinzuweisen. Das will jedoch nur gelingen, wo ein Christ eine klare Vorstellung von seinem Glauben hat und wenn er von Jesus Christus persönlich beeindruckt ist wie damals die Jünger des Herrn. Kraft für seine Sendung erwächst einem Christen, indem er sich mit dem Wort Gottes beschäftigt.

Der Sohn Gottes kam in diese Welt. Er der menschgewordene Gott ist die lebendige Selbstoffenbarung Gottes. In der Lehre Jesu und in seinem Wirken werden uns die Liebe Gottes und seine Barmherzigkeit offenbart. Es ist besonders der heilige Paulus, der in seinen Briefen immer wieder auf die Liebe Gottes zum Menschen hinweist. Gott ist dem Menschen nicht nur nahe. Er verbindet sich mit jedem Christen in der Taufe. So kann Paulus an die Römer schreiben: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt“ (Römer 5,5). Den Ephesern sagt Paulus: „Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne und Töchter zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade (Eph 1,4-5).

      Diese und viele andere Worte aus der Heiligen Schrift können einen Christen so bewegen, dass er von der Liebe Gottes zum Menschen gedrängt wird und dann die Botschaft von der Liebe Gottes weitersagen möchte. Das wird ihm am ehesten gelingen, wenn er das Klopfen Jesu an seine Tür vernimmt und sein Herz für ihn öffnet (vgl. Offb 3,20).

     Wer wirksam auf Gott und das Wesentliche im Glauben hinweisen möchte, wird nicht in den Chor jener einstimmen, die ständig von der Kirche einen geistlichen Aufbruch verlangen. Ein geistlicher Aufbruch tut sicher not, auch in unserer katholischen Kirche. Nur dürfen wir eine geistliche Erneuerung nicht von aussen erwarten. Wer einen lebendigen Glauben in der Kirche wünscht, wird sich selber als erstes Missionsfeld empfinden. Er wird das Wort Gottes zu verinnerlichen suchen, die Sakramente empfangen und daraus im Alltag leben. Nur das Arbeiten an uns selber macht uns zu lebendigen Jüngern Jesu. Papst Paul VI stellte einmal fest, dass wir Lehrer des Glaubens brauchen, aber weniger Lehrer mit Worten, sondern durch das Zeugnis des eigenen Lebens. Je mehr wir von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zum Menschen persönlich angerührt sind, umso mehr werden wir wirksame Glaubensboten sein. Bewegt durch die Grösse und Güte Gottes wird dann durch uns in den Familien, in den geistlichen Gemeinschaften, in den Gemeinden, in den Vereinen, in unserer Umgebung etwas von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes erfahrbar.

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