Besinnung 89 – Johannes 6,60-68

Alois Hüging MSF

Die Eucharistie spaltet die Christen

„Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 6,68).

      Nach der Brotvermehrung waren viele Leute von Jesus so begeistert, dass sie ihn zum König ausrufen wollten. Bevor das geschehen konnte, verbarg er sich und ging auf die andere Seite des Sees. Es dauerte aber nicht lange, bis sie ihn fanden. Dann sagte Jesus, er werde ihnen ein anderes Brot geben. Dieses andere Brot sei eine Speise. Er werde ihnen sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken geben. Da war die Begeisterung für Jesus bei den meisten zu Ende. Was Jesus sagte, konnten sie nicht annehmen, und ihr Vertrauen zu ihm war nicht gross genug, ihm einfach blind zu vertrauen. Sie sagten: „Was er sagt ist unerträglich. Wer kann das hören“ (Joh 6,60)? „Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher“ (Joh 6,66).

 

       Jesus möchte möglichst viele Menschen für das ewige Leben in Gott gewinnen und in die Familie des himmlischen Vaters heimholen. Dieser Weg ist nicht einfach. Deshalb bietet Jesus sich als Speise an, um die Christen auf ihrem Pilgerweg zu stärken. Gott macht es denen, die glauben wollen, nicht leicht. Er verlangt bedingungsloses Vertrauen. Viele Jünger hatten eben dieses Vertrauen nicht. Daher verliessen ihn viele. 
       Jesus nahm seine Worte von seinem Fleisch und seinem Blut nicht zurück. Er gab auch nicht die geringste mildernde Erklärung. Im Gegenteil, er frug seine Apostel: „Wollt auch ihr weggehen?“ Damit unterstrich er den Ernst seiner Worte. Bewundernswert ist der Respekt Jesu vor denen, die ihn verliessen. Jesus lässt sie in Freiheit gehen. Er macht weder Vorhaltungen noch drängt er sie zu bleiben.          
       Viele Jünger waren lange bei ihm gewesen und dann verliessen sie ihn. Das hat sich im Laufe der Zeit immer wiederholt. Es gibt Christen, die jahrelang ihren Glauben praktizieren. Aber irgendwann kommt ein Bruch. Es beginnt mit einem schleichenden Glaubensverlust, und schliesslich lassen sie ihren Glauben an Gott lautlos hinter sich. Natürlich kommt da die Frage auf, wie das möglich ist. Die Antwort könnte sein: Angelernter Glaube ist nicht von Dauer. Der Katechismus und ein christliches Leben im Alltag sind eine Stütze für den persönlichen Glauben an Gott. Damit ist jedoch der Glaube des einzelnen Christen noch nicht für immer gefestigt. Dieser wird ständig auf die Probe gestellt. In dieser Welt, wie sie nun mal ist, werden die Gedanken Gottes oft als störend empfunden. Diese stiessen damals und stossen heute auf Widerstand. Im Widerstand gegen unseren Glauben zeigt es sich, ob dieser mehr ist als gute Gewohnheit. Es zeigt sich, ob der Glaube Tiefe hat und aus dem Wesentlichen genährt wird, nämlich aus der Liebe Gottes zum Menschen. Johannes schreibt: „Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat“ (1 Joh 4,10).

      Christlicher Glaube ist Liebe und Beziehung, und diese werden nur gefestigt, indem wir uns bemühen, sie zu pflegen durch Gebet, Betrachten des Wortes Gottes und durch den Empfang der Sakramente. Ohne eigenes Bemühen ist eine liebende Beziehung nicht von Dauer, weder im Glauben noch in der Ehe.

     Ein gläubiger Christ spürt Enttäuschung, wenn viele Christen sich von ihrem Glauben entfernen. Jesus war sicher auch enttäuscht, als viele Jünger ihm scharenweise davonliefen. Jesus gibt uns ein gutes Beispiel mit solcher Enttäuschung umzugehen. Jesus resignierte nicht. In seiner Liebe zu den Menschen machte er weiter mit seiner Sendung. Er ging von Ort zu Ort und sprach vom Reich Gottes, heilte Kranke und trieb Dämonen aus. Unermüdlich verkündete er das Liebesangebot Gottes. Sein ganzes Leben im Umgang mit Menschen war eine Offenbarung der Liebe und Barmherzigkeit Gottes in seiner Person.

      Es ist die Liebe und die Barmherzigkeit Gottes, die auch Christen in ihrem Leben offenbaren möchten. Sie empfinden es schmerzlich, wenn Christen dem Herrn den Rücken zukehren. Enttäuschung lähmt einen gläubigen Christen aber nicht. Er braucht vielmehr seine Phantasie, um Wege zu finden, wie er möglichst viele Menschen auf das Geheimnis Christi aufmerksam machen kann. Ein Christ ist ein Bote Gottes nicht mehr und nicht weniger. Er weist auf Gott und seine Güte hin. Den Glauben kann er niemand geben. Das kann nur Gott selber. Menschen, die nicht mehr glauben, sind ihm aber nicht gleichgültig. Im Bewusstsein, dass sein eigener Glaube auch zerbrechlich ist (vgl. 2 Kor 4,7), wird er seinen eigenen Glauben und die Menschen, um die er sich sorgt, Gott anvertrauen.

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