Besinnung 93 - Markus 9,30-37

Alois Hüging MSF

Jesus empfiehlt uns die Kinder
„Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat“ (Mk 9,37).

Jesus war mit seinen Jüngern allein. Da offenbarte er ihnen, dass der Menschensohn abgelehnt und getötet werde. Am dritten Tag aber werde er auferstehen. Die Jünger verstandenen nicht, was Jesus ihnen damit sagen wollte. Sie „scheuten sich jedoch, ihn zu fragen“ (32). Hätten sie bereits ein tiefes Vertrauen zu ihm gehabt, hätten sie ihn gefragt, was er ihnen sagen wollte.
      Wo immer etwas unklar ist unter Menschen, muss man fragen. Nur so können Störungen in einer Beziehung vermieden werden. Wenn in einer Ehe oder Freundschaft etwas nicht klar ist, kann die Beziehung leiden. Dennoch, die Scheu vor einander hat die Menschen immer begleitet. Viele möchten nicht preisgeben, dass sie etwas nicht wissen. Sie möchten sich nicht blamieren. Im Berufsleben ist diese Scheu besonders ausgeprägt. Wer seine Unwissenheit kundtut, so glaubt man, könnte ja Nachteile in der Karriere erfahren.

      Es war wohl das Denken an ihre Karriere, die unter den Jüngern für Streit sorgte. Es stand nach ihrer Meinung viel auf dem Spiel. Auch sie träumten wie viele Juden damals von einem Messias der religiös und politisch ein neues Reich errichten würde. Vielleicht dachten sie bereits an vielversprechende Ämter. Sie wollten sich voreinander keine Blösse geben und eingestehen, dass sie die Worte ihres Herrn nicht verstanden hatten. Als sie nach Kafarnaum kamen, spürte Jesus eine Spannung unter seinen Jüngern. Er wollte zur Klarheit im Umgang mit einander ermutigen. Deswegen frug er sie: „Worüber habt ihr unterwegs gesprochen (33)?“ Die Jünger schwiegen verlegen, weil sie darüber gestritten hatten, wer denn der Grösste unter ihnen sei. Das Schweigen war für Jesus eine unmissvertändliche Antwort.
      Da rief Jesus die Zwölf zu sich.  Er sagte: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“. Die Grösse eines Menschen hängt nach Jesus nicht von seiner Stellung in der Gesellschaft ab. Die Menschen sind nicht alle gleich. Wer mehr Talente hat als andere, soll damit dienen. Und je höher jemand in der Gesellschaft steht, umso tiefer muss er sich bücken, um in rechter Weise zu dienen. Die Menschen sollen aber mit dem, was sie haben, anderen dienen. Wer reich ist, soll den Armen helfen. Wer intelligent ist, soll mit seiner Intelligenz andere unterstützen, die weniger begabt sind. Wer stark ist, soll dem Schwachen beistehen, wo immer das notwendig ist. Und die Gesunden sollen sich um die Kranken kümmern.

      Jesus versteht unter dienen aber mehr als nur einen Lastenausgleich. Um das zu unterstreichen, „stellte er ein Kind in ihre Mitte“ und nahm es in seine Arme. Das Kind steht in der Mitte und Jesus hält es umarmt. Eine starke Geste! Er sagt, wer ein Kind aufnimmt, der nimmt mich auf und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat“. Damit fügt Jesus zum Dienen noch einen wichtigen Aspekt hinzu. Wer dient, soll sich auf das Leben einlassen. Wenn jemand ein Haus kauft, weiss er, worauf er sich einlässt. Wer ein Auto erwirbt, erfährt über die Erfahrungswerte mit eben diesem Auto. Wer heiratet und bereits gut vertraut ist mit der Person, die er heiratet, weiss ungefähr, was ihn mit dieser Person erwartet.
      Wer ein Kind aufnimmt, weiss nichts über die Zukunft des Kindes. Das Kind kann begabt sein oder auch nicht. Es kann sich als angenehm oder als schwierig entwickeln. Es kann gesund bleiben oder krank werden und lange krank sein. Damit will Jesus sagen, dass Dienen nicht nur in einem überschaubaren Rahmen gesehen werden darf. Dienen heisst besonders, sich mit dem Herzen auf Ungewisses einlassen. Man muss natürlich seine eigenen Kräfte und Möglichkeiten kennen und richtig einschätzen. Dienen im Sinne Jesu heisst vor allem, sich den Menschen zuwenden, ohne zu wissen, was die Zukunft bringt. Dazu gehört eine bescheidene Denkweise, ein tiefes Vertrauen in Gott und Wohlwollen gegenüber den Menschen. Vorbild für jede Form des Dienens ist Jesus Christus. Sein ganzes Leben war ein Leben für andere.  

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