Besinnung 96 - Matthäus 22,1-13

Alois Hüging MSF

Das Himmelreich
„Jesus sagt: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lasse“ (Mt 22,1).

      Jesus gebraucht eine Anzahl von Bildern, die alle etwas vom Himmelreich offenbaren. Im vorliegenden Text vergleicht Jesus das Himmelreich mit einem grossen Fest. In allen Kulturen weist ein Festessen auf freundschaftliche Beziehungen hin. Im Gleichnis lädt ein König zur Hochzeit seines Sohnes ein. Als alles vorbereitet war, schickte er seine Diener, um gemäss dem Brauch jener Zeit den Gästen zu sagen: Es ist alles bereit. Kommt zur Hochzeit! Die Geladenen interessieren sich aber nicht für das Fest des Königs. Ihre Arbeiten und Geschäfte sind ihnen wichtiger. Einige Diener werden schroff abgewiesen, andere sogar getötet. Die Enttäuschung des Königs ist verständlich. Da er sich aber auf jeden Fall mit Gästen freuen möchte, lässt er durch seine Diener andere Menschen einladen. Die Diener gehen auf die Strassen und laden alle ein, die sie gerade treffen, gute und böse.

 

      Da hier vom Reich Gottes die Rede ist, erkennen wir in den zuerst geladenen Gästen nicht wenige Menschen unserer Zeit. Viele haben sich vom Glauben an Gott entfernt. Das liebevolle Angebot Gottes in den Sakramenten sagt ihnen nichts mehr. Der König im Gleichnis lässt sich nicht beirren. Er möchte sich mit Gästen freuen. Da die Geladenen nicht kommen wollen, lädt er andere ein, um mit ihnen ein Fest zu feiern. Die Einladung zum Festmahl ergeht an alle. Schon bald füllt sich der Festsaal mit Gästen. Unter diesen sind gute und schlechte Menschen. Alle sind eingeladen, die Heiligen und ebenso jene mit einer dunklen Vergangenheit.

      Das Gleichnis erhält einen dramatischen Höhepunkt. Da kommt der Gastgeber und schaut sich seine Gäste an. Da sieht er einen ohne festliches Gewand. Der König macht mit diesem Gast kurzen Prozess. Er lässt ihn fesseln und hinaus werfen. Die Reaktion des Königs auf den Mann ohne Festgewand stimmt nachdenklich. Wieso verurteilt er diesen einen Mann, der nicht geziemend gekleidet ist? Vielleicht sind unter den bösen Gästen sogar ein paar Kriminelle. Diese kommen ungeschoren davon. Es bleibt die Frage, warum der Gastgeber im Gleichnis so nachdrücklich und hart den Mann ohne Festgewand ablehnt. Welche Bedeutung hat in dem Gleichnis das Festgewand?

      Die königliche Hochzeit sollte ein riesengrosses Fest werden. Die geschlachteten Ochsen und das Mastvieh deuten das an. Bei grossen Hochzeitsfeiern und bei sehr reichen Leuten hatte der Brautvater entsprechend dem Brauch der Zeit dafür zu sorgen, dass alle ein festliches Gewand trugen. Wer kein hochzeitliches Gewand hatte, bekam eines geschenkt. Die Vorbereitung der ärmeren Gäste bestand daher nur darin, das Festgewand anzuziehen, das ihm angeboten wurde. Wer das nicht machte, hatte auf dem Fest nichts zu suchen. So wird der Groll des Königs im Gleichnis verständlich, wenn jemand nicht einmal bereit war, sich das angebotene Gewand anzuziehen. Hier geht es um ein Mindestmass an Vorbereitung, um beim Fest dabei sein zu können.
      Wenn wir die Einladung zur königlichen Hochzeit als Einladung zum eucharistischen Mahl verstehen, finden wir noch am ehesten eine Erklärung. Christliche Religion drängt zuerst und vor allem auf Beziehung und Freundschaft zwischen dem einzelnen und Gott. Der Christ bemüht sich deshalb zuerst darum, auf die Liebe Gottes zu ihm eine Antwort zu geben. Auch ein Sünder, der immer wieder versagt, kann sehr wohl bemüht sein, Gott näher zu kommen. Er kann sich immer wieder dem Wort Gottes öffnen und staunend das Liebesangebot in den Sakramente annehmen. Es  liegt nahe, in den Festgewändern der guten und bösen Gäste deren aufrichtiges Interesse für den Gastgeber zu sehen. Wer am ewigen Festmahl des göttlichen Lammes teilnehmen möchte, wird sich darauf vorbereiten und Hochschätzung für den himmlischen Gastgeber zeigen.

      Bei der Feier der Eucharistie möchte ein Christ seine Freundschaft mit Gott vertiefen. Deswegen wird er nicht gedankenlos zur Kommunion gehen. Er wird sich darüber Gedanken machen, ob er in der augenblicklichen Situation den Leib des Herrn wirklich empfangen möchte oder nicht. Wo immer ein Christ sich ganz bewusst entscheidet, die Eucharistie mitzufeiern oder den Leib des Herrn zu empfangen, da zieht er gleichsam ein hochzeitliches Gewand an, sei es für den direkten Empfang der Kommunion, sei es für eine geistliche Vereinigung mit dem Herrn in der Feier der Eucharistie.

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