Besinnung 99 - Mk 13, 24-31

Alois Hüging MSF

Die Wiederkunft Jesu in Herrlichkeit

„Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels“ 
(Mk 13,26-27).

      Der vorliegende Text aus dem Markus Evangelium ist eine Anfrage an uns alle. Glauben wir nur, dass Jesus am Ende der Zeiten kommt mit großer Macht und Herrlichkeit oder verspüren wir eine freudige Erwartung für sein verheißenes Kommen? Jeder weiß, dass Erwarten mehr bedeutet als die Annahme, dass Jesus als Richter und Erlöser wiederkommen wird. Das Kommen des Herrn hoffnungsvoll erwarten, setzt einen lebendigen Glauben voraus,

der aus einer gläubigen Beziehung zum Herrn erwächst. Wenn jemand das Kommen des Herrn mit einer gewissen Freude erwartet, ist das zuerst und vor allem ein Geschenk Gottes. Das kann sich niemand selber geben. Ganz unbeteiligt sind wir allerdings auch nicht. Jesus wünscht, dass wir erkennen, wann das Ende der Welt vor der Tür steht. Es ist der Zeitpunkt, wenn unsere sichtbare Welt vergeht. Es wird eine Zeit großer Not vorausgehen. Dann kommt das Ende, wenn Sonne und Mond aufhören zu leuchten und die Sterne nicht mehr den nächtlichen Himmel verzaubern.

Da drängt sich die Frage auf, ob wir dann zu jenen gehören, die vor Angst meinen, sterben zu müssen. Oder können wir dann bei denen sein, die sich freudig in der Hand des Herrn geborgen fühlen? Jesus spricht von einer Tür vor dem Ende dieser Welt. In der Offenbarung des Johannes ist noch die Rede von einer anderen Tür, die von äußerster Wichtigkeit ist. Der Seher von Patmos, der heilige Johannes, berichtet von einer Vision. Dort erschien ihm der Menschensohn und sagte: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir“ (Offb 3,20). Das ist eine Einladung Gottes an alle Christen, sich auf Freundschaft mit ihm einzulassen. Bereits im Johannes-Evangelium hatte Jesus seine Apostel und Jünger Freunde genannt. „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,5). Wenn der Herr an die Tür klopft, dann ist damit die Tür unseres Herzens gemeint. Wer die ewige Freundschaft mit Gott wünscht, kann ihm schon in dieser Welt Einlass gewähren und Freundschaft mit ihm wachsen lassen. Gott klopft immer wieder an die Türen unserer Herzen. Er tut es nicht aufdringlich. Der Herr wünscht Einlass, weil er uns prägen und uns auf die ewige Freundschaft mit ihm einstimmen möchte. Es liegt ein Leben lang bei uns, ob wir ihn in unser Leben hereinlassen. Wenn wir es tun, wird er die Führung übernehmen.

      Freundschaft mit Gott ist nicht leicht. Wer dem Herrn die Tür öffnet und ihn hereinlässt, hat es mit jemand zu tun, dessen Denken in mancher Hinsicht dem Denken in dieser Welt zuwider ist. Das kann für einen Moment erschrecken, muss es aber nicht. Gott pocht nicht auf Perfektionismus. Es geht ihm um vertrauensvolle Hinwendung zu ihm. Den Rest übernimmt er selber. Für die innere Hinwendung zu Gott schöpfen wir Vertrauen in der unergründlichen Liebe Gottes. Er opferte sich am Kreuz für alle Sünden der Menschen. 

      Jesus stiftete einen Neuen Bund in seinem Blut. Es ist ein Geheimnis, das am Kreuz vollzogen wurde und auf den Altären bei der Feier der Eucharistie immer neu geheimnisvoll gegenwärtig gesetzt wird. Auf den Altären wird das Kreuzesopfer auf mystische Weise gegenwärtig, und damit sein Fleisch und sein Blut. Von den bereits vollendeten Heiligen, die in dieser Welt auch Sünder waren, heißt es: Sie haben „ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß“ (Offb 7,14) gemacht.  Wegen dieser Offenbarung suchen wir immer wieder die Reinigung durch das Blut des Bundes auf den Altären. Es stärkt unser Vertrauen in Jesus Christus, nimmt uns die Furcht und lässt uns den erwarten, der sein Kommen in Herrlichkeit offenbart hat.

 

 

 

 

 

 

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