Besinnung 100 - Johannes 2,1-11

Alois Hüging MSF

Die Hochzeit zu Kana

„Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,3-5)!

      Jesus war von einem der führenden Pharisäer zu einem Essen eingeladen. Da nutzte er die Gelegenheit, die Anwesenden darüber zu belehren, wen sie zu einem Essen einladen sollten, nämlich Arme und einfache Leute, von denen sie keinen Vorteil erwarten könnten. Da unterbrach ihn einer der Gäste voll Freude und sagte: „Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf“ (Lk 14,15). Dieses Wort passt gut zur Hochzeit in Kana. Was Johannes berichtet, ist eine Hochzeit unweit von Nazareth. Johannes beschreibt in seinem Evangelium ganz konkrete Erlebnisse, bei denen er selber anwesend war. Er erzählt sie jedoch so, dass er jeweils auch eine tiefere theologische Bedeutung vermitteln kann. Der Bericht über die Hochzeit zu Kana will vor allem zur Freude im Glauben anregen.

 

      Jesus verwandelt Wasser in Wein. Er offenbart seine Herrlichkeit und die Jünger glauben an ihn. Als Jesus ein weiteres Mal in Kana weilte, heilte er den Sohn eines königlichen Beamten. Dadurch offenbarte er seine göttliche Macht und führte die ganze Familie des Beamten zum Glauben an ihn (vgl. Joh 4, 53).    Jesus wirkt in der Nähe seiner Heimat am gleichen Ort zwei Wunder, die zum Glauben führen. Dies berichtet Johannes im 2. und 4. Kapitel seines Evangeliums. Die Texte, die zwischen diesen beiden Wunderberichten stehen, gehören zusammen. Sie zeigen Wege zum Glauben, besonders die Begegnungen Jesu mit Nikodemus und der Samariterin.

      Jesus und seine Jünger waren zu Hochzeit eingeladen. Die Mutter Jesu war ebenfalls anwesend. Jesus und seine Jünger nahmen an der Freude der Gäste teil. Eine wichtige Person in der Erzählung ist Maria, die Mutter Jesu. Sie bemerkt, dass der Wein zur Neige geht. Da der Wein bei einer jüdischen Hochzeit unverzichtbar war, wäre es für den Bräutigam eine Blamage und Demütigung zugleich gewesen, wenn kein Wein mehr ausgeschenkt worden wäre. Maria macht sich Sorgen sowohl um den Bräutigam wie um die Gäste, die in ihrer Freude nicht enttäuscht werden sollen. Maria sieht einen Ausweg. Jesus ihr Sohn wird helfen. Diese Erkenntnis kommt nicht aus klugen Überlegungen. Ihre Einsicht kommt aus ihrer liebenden Nähe zum göttlichen Sohn. Sie fühlt sich gedrängt, ihn auf die Schwierigkeit hinzuweisen: „Sie haben keinen Wein mehr“.

      Die Stunde Jesu ist noch nicht gekommen. Nach einer gewissen Zeit sagt Jesus aber den Dienern, sie sollen die sechs steinernen Wasserkrüge mit Wasser füllen. Dann gibt er ihnen den Auftrag, aus den Krügen etwas zu schöpfen und dem Verantwortlichen für das Fest eine Probe zu bringen. Die sechs Krüge fassten schätzungsweise etwa 450 bis 700 Liter. Das ist eine übergrosse Menge an Wein für ein normales Hochzeitsfest. Hier geht es aber nicht mehr um das, was notwendig ist. Johannes will auf die Grosszügigkeit Gottes hinweisen. Alles, was Jesus tut, kommt aus der Liebe des dreieinen Gottes, der selber die Liebe ist. Und die Liebe Gottes ist grenzenlos. Das möchte Johannes mit dem Weinwunder unterstreichen.

      Die Zahl sieben war den Juden ein Symbol der Vollkommenheit. Die Zahl sechs galt als unvollkommen. Ein wichtiger Aspekt in dem Bericht ist die Verwandlung. Was unvollkommen ist, möchte Jesus verwandeln, er möchte es verfeinern. Er macht aus dem Wasser in den sechs Krügen Wein. Das Wunder offenbart, dass Jesus Freude in das Leben der Menschen bringen möchte. In unserem Leben kann vieles zur Gewohnheit werden. Alles auch die Beziehung zu lieben Menschen kann verflachen. Im Laufe der Zeit kann sich ein Grauschleier auf alles legen, was uns eigentlich wichtig ist. Wo das geschieht, kann eine Betrachtung der Hochzeit zu Kana wieder Licht in das Leben bringen.

      Jesus möchte überreiche Freude schenken, das zeigt er mit der riesengrossen Menge an Wein als Symbol der Freude. Maria hatte das aufgrund ihrer Nähe zu Jesus erfasst. Deswegen begibt sie sich in die vermittelnde Rolle. Jesus möchte verblasste Liebe und den alltäglichen Umgang mit Verwandten und Freunden in freudige Hinwendung verwandeln. Er schenkt den Hochzeitsgästen Wein zur Freude. Er macht aus dem alltäglichen Wasser einen guten Wein. Das genügt ihm aber noch nicht. Er sieht den Menschen nicht nur in seiner augenblicklichen Situation wie bei einer Hochzeit. Er sieht ihn auf seinem geistlichen Pilgerweg, der zur ewigen Freude führen soll. Deswegen möchte er die Herzen der Menschen verwandeln, ihr Denken und Sehnen. Er möchte ihnen einen Glauben schenken, in dem sie die Tür zu einer Freude finden, die sie nur im Herzen verspüren können. Zur Stärkung des Glaubens verwandelt Jesus nicht nur Wasser in Wein. Er geht noch einen Schritt weiter. Er verwandelt auch noch Wein in sein Blut des Neuen Bundes, das eine immerwährende Quelle der Freude sein kann.

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