Besinnung 104 - Lukas 16, 9-13

Besinnung 104 - Lukas 16,9-13
Alois Hüging

Niemand kann zwei Herren dienen

Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon“ (Lk 16,13).

      Jesus will uns hier nicht zu ängstlicher Genauigkeit ermahnen. Er will nicht, dass wir auf alle denkbaren christlichen Verpflichtungen fixiert sind, um so nur keinen Fehler zu machen. Wahrer christlicher Glaube richtet sich nicht an erster Stelle nach Gesetzen, Geboten und Verboten. Es geht um Wichtigeres.

Das Evangelium lenkt unsere Aufmerksamkeit auf etwas, was sich ständig in den Gedanken der Menschen wiederholt. Es ist dieses endlose Ringen um Gut und Böse. Was immer wir tun und denken, steht in einer Beziehung zu dem, was wir sonst so tun. Alle grösseren Entscheidungen im Leben sind geprägt durch unser Leben im Alltag. Alles, was wir tun, hat eine Vorgeschichte. Alles, was von uns ausgeht, schwimmt auf dem Strom vieler kleiner Entscheidungen, die wir von Tag zu Tag fällen. Wenn eine reiche Person für Arme, Weisen oder für die Umwelt eine Million Euro stiftet, dann ist das keine isolierte Tat. Solch ein Mensch hat ganz sicher schon viele Male im Laufe seines Lebens anderen in kleinen und sehr unauffälligen Situationen Freundlichkeit und Güte geschenkt. Ebenso wird niemand, in einem Kriminalfall vor Gericht zum Schaden des Angeklagten einen Meineid leisten, wenn er immer überall gut zu den Menschen war. Auch ein Meineid hat ohne Zweifel seine Vorgeschichte. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Versuchung zu einem Meineid niemanden überrumpelt wie ein plötzliches Gewitter oder gar wie ein Erdbeben. Wer einen Meineid leistet, ist sicher schon viele Male in kleinen scheinbar unwichtigen Situationen achtlos an Menschen vorübergegangen, die für eine kleine Hilfe, ein gutes Wort oder eine Freundlichkeit dankbar gewesen wären. Jesus ermahnt, zuverlässig in kleinen Dingen zu sein. Er möchte uns, unser wahres Eigentum geben. Dieses wahre Eigentum ist Gott selber, der sich in seiner Schönheit beim ewigen Gastmahl uns zeigen will. Deswegen spricht Jesus von Entscheidung. Wir müssen uns entscheiden, welchem Herrn wir dienen möchten, Gott oder dem Mammon. Wer sich für Gott entscheidet, entscheidet sich für eine persönliche Beziehung zu ihm. Diese Beziehung zu ihm kann reifen, wenn wir uns in dieser Welt um liebende Beziehung zu denen bemühen, für die Jesus Christus in diese Welt gekommen ist.

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