Vertrauen in Gott anstatt Vertrauen in eigene Leistung

Alois Hüging MSF - Besinnung   1  

Vertrauen in Gott anstatt Vertrauen in eigene Leistung

 “Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen” (Markus 10, 17-21)?

 Wir fragen: Was ist der eigentliche Grund, warum Jesus das Verhalten der Pharisäer so scharf ablehnt. Das Kapitel 23 im Matthäus Evangelium gibt einen Hinweis. Dort hält Jesus den Pharisäern ihr Sündenregister vor. Es fällt auf, dass diese auf die Vorwürfe nicht eingehen. Die Bibel lässt jedoch die Pharisäer zu Wort kommen. Es geht den Pharisäern um das Gesetz und die vielen Vorschriften.

Das Gesetz und dessen Beachtung gibt ihnen Sicherheit vor Gott, so meinen sie. Daher bedrängen sie Jesus mit bohrenden Fragen: Warum isst Du mit Zöllnern und Sündern? Warum fasten Deine Jünger nicht? Warum verbietest Du nicht Deinen Jüngern, am Sabbat Ähren abzureißen? Warum beachtest du nicht die Überlieferung der Alten?

Jesus hält den Pharisäern entgegen: Weh Euch, Ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Der Gegensatz zwischen Jesus und den Pharisäern ist sehr tief. Diese Spannung zieht sich wie ein roter Faden durch die vier Evangelien. Grund genug nach den tieferen Gründen zu fragen. Vielleicht genügt ein Hinweis zu einem wichtigen Aspekt im menschlichen Denken. Der Mensch hat ein großes Bedürfnis nach Sicherheit. Das gilt ohne Ausnahme von allen Menschen. Jeder will Sicherheit für sein Leben, in seiner Beziehung zu Verwandten und Bekannten und auch in seiner Beziehung zu Gott. Der Wunsch nach Sicherheit führt bei Markus 10,17 einen Mann zu Jesus mit der Frage: “Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?”

            Diese Frage wird und wurde, wenn auch mit recht unterschiedlichen Worten, zu allen Zeiten und in allen Religionen gestellt. Was muss ich tun, um vor meinem Gott sicher sein zu können? Diese Frage ist eine Versuchung in allen Religionen. Der Mensch erfährt sich selbst mit seinen Grenzen und Vergehen. Oft hat er Schuldgefühle. Daher fragt er, was er tun kann, um dennoch vor Gott bestehen zu können. Opfer von Heiden, bestimmte Riten in nicht christlichen Religionen, genaue Einhaltung des Sabbatgebotes bei den Juden, die Fragen mancher Katholiken nach der genauen Erfüllung des Freitags- und Sonntagsgebotes, und wieweit man gehen kann, bevor man schwer gesündigt hat, all das kann sehr wohl mit dem Bedürfnis nach Sicherheit vor Gott etwas zu tun haben. Der Mensch spürt seine Grenzen und will Gott durch Leistung zufrieden stellen oder sogar unter Druck setzen.

            Jesus gibt sich mit einer solchen Haltung nicht zufrieden. Vor Gott zählen keineswegs an erster Stelle unsere Leistungen, sondern Vertrauen in Gott und in seine Barmherzigkeit. Wenn Jesus die Pharisäer angreift, dann greift er zugleich alle Menschen an, die ähnlich wie sie letztlich nicht an den barmherzigen Gott, sondern an die eigene Leistung glauben. Die Pharisäer waren religiöse Menschen. Sie haben gefastet, sie haben Almosen gegeben und sie haben viel gebetet. Sie beachteten das Gesetz und über 600 weitere Vorschriften. Daher hatten ungebildete Menschen entsprechend der Meinung der Pharisäer keine Möglichkeit, vor Gott gerecht zu sein.

             Jesus ist aber gekommen, um eben diesen Glauben zu zerschlagen. Statt Gerechtigkeit durch eigenes Tun, verlangt er Gottvertrauen. Für die Pharisäer war das eine ungeheure Zumutung. Die Erfüllung des Gesetzes und die Überlieferung der Alten gab ihnen Sicherheit. Jetzt sollen sie auf diese Sicherheit verzichten und mit leeren Händen vor Gott stehen und alles von ihm erwarten. Für die Pharisäer ist das ein revolutionärer Gedanke. Sie fühlen sich bedroht. Sie wollen sich ihren traditionellen Glauben nicht nehmen lassen. Die Reaktion der Pharisäer ist bekannt. Wo immer möglich, greifen sie Jesus an und suchen nach Gründen, um ihn wegen Untreue vor dem Gesetz anzuklagen. Sie verfolgen Jesus, bis er schließlich am Kreuz stirbt. Ein scheinbar dunkles Ende für Jesus. Aber nur scheinbar. Jesus zeigt seine Macht über den Tod in seiner Auferstehung. Der Triumph Jesu beginnt bereits in seinem Sterben. Im Kreuzestod hat Jesus seine Liebe zum Menschen in einzigartiger und nicht mehr zu überbietender Weise geoffenbart. Diese Liebe Gottes, die im Tod Jesu am Kreuz in die Welt hinein leuchtet, fragt immer neu nach unserem Vertrauen in Gott.

                       

 

 

 

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