Unser Glaube 47

Wilhelm von Rüden

Vater Unser – 1. Das Gebet des Herrn

In der Bergpredigt haben wir ein umfassendes Bild vom Menschen. Die Bergpredigt verdeutlicht, dass der Mensch nur von Gott her zu verstehen ist und dass sein Leben nur gelingt in Beziehung zu Gott. In Jesus zeigt Gott uns sein Gesicht, in dem, was er tut. Menschsein ist, so glauben wir, „wesentlich Beziehung zu Gott.“ Das bedeutet dann auch, dass „das Reden mit Gott und das Hören auf Gott dazu gehört.“ Die Folge daraus ist: „Zur Bergpredigt gehört auch eine Lehre vom Gebet. Beten heißt nicht, sich zur Schau zu stellen.“ So wie die Liebesbeziehung Diskretion braucht, so auch das Gebet.

Jeder, jede von uns ist vor Gott einmalig und deswegen darf seine Gebetsbeziehung zu Gott vor den Menschen nicht ausgebreitet werden. Das gemeinsame Beten wird dadurch aber nicht ausgeschlossen. Mit Blick auf das Vaterunser ist dann zu sagen: Es ist ein „Wir-Gebet“. In diesem „Wir-Gebet“, im Vaterunser, müssen sich das persönliche und gemeinschaftliche Beten durchdringen. Mit Gott beten heißt nicht herumplappern oder schwätzen, weil „sonst der Geist erlischt.“ Zu Gott beten heißt immer auch, dass wir auf Gott ausgerichtet sein müssen. „Je mehr Gott in uns ist, desto mehr werden wir in den Gebetsworten wirklich bei ihm sein können.“ Damit unser beten – als Einzelne -r, - als Gemeinschaft – nicht subjektiv wird, brauchen wir Hilfe zum Beten. In Jesus ist uns diese Hilfe Gottes zuteil geworden. Und so erfahren wir bei Lukas, das „das Wirken Jesu als Ganzes aus seinem Beten aufsteigt, (und) von ihm getragen ist.“ Mit seinem Beten „führt Jesus uns hinein in den inneren Dialog der Dreifaltigen Liebe, zieht sozusagen unsere menschlichen Nöte hinauf ins Herz Gottes.“ Das Vaterunser „will unser Sein formen, uns in die Gesinnung einüben (vgl. Phil 2,5).“ Gott hat den Primat im Vaterunser – Gebet daraus folgt „die Sorge um das rechte Menschsein.“ Beim Beten ist es wichtig, dass wir „in rechter Ordnung“ zu Gott stehen. Das Vaterunser ist zu tiefst „ein Jesusgebet.“ Als dieses ist „es ein trinitarisches Gebet: Wir beten mit Christus durch den Heiligen Geist zum Vater.“

(Die obigen Gedanken und Zitate zum „Vater unser“ fußen im „Meditationsbuch „Meditationen über das „Vater unser“ von Josef Ratzinger/Benedikt XVI im Herder Verlag (– hier die Seiten 10 bis 25 -). Der Verlag führt im genannten Buch folgendes an: „Der Text dieses Buches ist das 5. Kapitel („Das Gebet des Herrn“) aus: Josef Ratzinger/Benedikt XVI: Jesus von Nazareth. Erster Teil. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung, Freiburg – Basel – Wien 2007, S. 162 – 203, 409f und 411f auf Grundlage des in der Vorbereitung befindlichen 5. Auflage. Zur Vermeidung von Brüchen im Lesefluss werden auch Zitate an die gültige reformierte Rechtschreibung angeglichen. Der Autor hat zahlreiche Bibelstellen aus dem Urtext selbst übersetzt. Der Wortlaut kann von der „Einheitsübersetzung“ oder anderen Übersetzungen abweichen.“

Die Überschriften über die Kapitel sind dem oben genannten Meditationsbuch entnommen und von mir durchnummeriert worden. – P. Wilhelm von Rüden msf

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