Unser Glaube 51

Pater Wilhelm von Rüden MSF

V: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Diese Bitte verdeutlich zwei Aspekte: „Es gibt einen Willen Gottes mit uns und für uns, der Maßstab unseres Willens und Seins werden muss. Und: Das Wesen des „Himmels“ ist es, dass dort unverbrüchlich Gottes Wille geschieht, oder etwas anders ausgedrückt: Wo Gottes Wille geschieht ist Himmel. Das Wesen des Himmels ist das Einssein mit Gottes Willen und Wahrheit.“ Das heißt doch dann: Erde ist dort, wo der Wille Gottes missachtet wird, nicht geschieht, wo sich der Mensch dem Willen Gottes entzieht, gar widersetzt. Was ist aber der Wille Gottes? Kann ich ihn erkennen? Aus der Heiligen Schrift erfahren wir, „dass der Mensch im innersten um Gottes Willen weiß, dass es tief in uns verankertes Mit-Wissen mit Gott gibt, das wir Gewissen nennen (vgl. Z.B. Röm 2,15).“ Aber dieses „Mit-Wissen mit dem Schöpfer“ ging verloren, obwohl wir nach Gottes Bild erschaffen sind. Wir brauchen sozusagen Nachhilfe um den Willen Gottes zuerkennen. So eine Nachhilfe ist der Dekalog, auch die Bergpredigt, die den Dekalog „weiter entfaltet,“ damit er „umso reiner in seiner ganzen Tiefe und Größe leuchtet.“ Der Dekalog, so können wir feststellen, ist „Wesensoffenbarung Gottes selbst und damit Auslegung der Wahrheit unseres Seins. Die Notensprache unserer Existenz wird uns entschlüsselt, so dass wir sie lesen können und im Leben umsetzen können.

Der Wille Gottes kommt aus dem Sein Gottes und führt uns daher in die Wahrheit unseres Seine, befreit uns aus der Selbstzerstörung durch die Lüge.“ Unser Sein, unsere Existenz haben wir von Gott. Und weil das so ist, können wir uns „auf den Weg machen zum Willen Gottes.“ Mit Blick auf Jesus können wir in diesem Zusammenhang festhalten, dass das „zentral mit seiner eigenen Sendung zu tun“ hat. Als Beispiel kann uns Joh 4,34 gelten: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ Heißt doch dann: „Das Einssein mit dem Willen Vaters ist sein Lebensgrund.“ Und auch in der Ölbergstunde unterwirft es sich ganz dem Willen Gottes. „Vater, wenn dieser Kelch nicht an mir vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille (Mt 26,39.42).“ Im Heb 10,7 heißt es: „Ja, ich komme …, um deinen Willen, Gott, zu tun.“ Hier bezieht sich der Schreiber des Briefes auf Ps 40,7.9. Es wird deutlich: Jesu ganze Existenz ist in dem Wort zusammengefasst: „Ja, ich komme, um deinen Willen zu tun.“ So verstehen wir erst das folgende Wort ganz: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ Wir können also sagen: dass Jesus selbst im tiefsten und eigentlichen Sinn „der Himmel“ ist – er, in dem und durch den Gottes Wille ganz geschieht.“ Von uns aus können wir nie ganz gerecht werden, denn unser eigener Wille „zieht uns immer wieder weg von Gottes Willen, lässt uns bloß „Erde“ werden. Aber Er (Jesus) nimmt uns an, zieht uns zu sich hinauf, in sich hinein, und in der Gemeinschaft mit ihm lernen wir auch den Willen Gottes.“ Diese Bitte soll uns, das wird deutlich, befähigen unseren Willen zum Willen Gottes werden zu lassen.

(Die obigen Gedanken und Zitate zum „Vater unser“ fußen im „Meditationsbuch „Meditationen über das „Vater unser“ von Josef Ratzinger/Benedikt XVI im Herder Verlag (– hier die Seiten 61 bis 67 -). Der Verlag führt im genannten Buch folgendes an: „Der Text dieses Buches ist das 5. Kapitel („Das Gebet des Herrn“) aus: Josef Ratzinger/Benedikt XVI: Jesus von Nazareth. Erster Teil. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung, Freiburg – Basel – Wien 2007, S. 162 – 203, 409f und 411f auf Grundlage des in der Vorbereitung befindlichen 5. Auflage. Zur Vermeidung von Brüchen im Lesefluss werden auch Zitate an die gültige reformierte Rechtschreibung angeglichen. Der Autor hat zahlreiche Bibelstellen aus dem Urtext selbst übersetzt. Der Wortlaut kann von der „Einheitsübersetzung“ oder anderen Übersetzungen abweichen.“

Die Überschriften über die Kapitel sind dem oben genannten Meditationsbuch entnommen und von mir durchnummeriert worden. – P. Wilhelm von Rüden msf

 

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