Unser Glaube 52

 

VI:  Unser tägliches Brot gib uns heute

Jesus selbst hat uns ja eingeladen „um unsere Nahrung zu beten und so unsere Sorge Gott zu übertragen.“ Wir wissen, dass „das Brot Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“ ist. Die Arbeit der Menschen aber wäre ohne Regen, ohne Sonne dann doch vergeblich.

Regen und Sonne, so glauben wir als Glaubende, kommen von Gott. Wir können uns, das ist uns klar, nicht „das Leben geben.“ Dieses Wissen hindert uns daran, hochmütig zu werden, denn „Hochmut macht gewalttätig und kalt. Es zerstört am Ende die Erde; …, weil es gegen die Wahrheit steht, dass wir Menschen auf die Selbstüberschreitung verwiesen sind, nur in der Öffnung Gott gegenüber groß und frei und wir selber werden.“ Bitten ist menschlich und wichtig. Wenn wir beten „unser tägliches Brot“, dann beten wir als Gemeinschaft. Wir denken so nicht nur an uns, keiner nur an sich, wie beten auch für das Brot für andere, für unsere Schwestern und Brüder. Nach Cyprian setzt das Gebet, insbesondere das Wort „heute“, die Armut der Jünger voraus. „Es setzt Menschen voraus, die auf die Welt, auf ihre Reichtümer und ihren Glanz verzichtet haben und nur noch um das zum Leben Nötige bitten.“ In der Kirche muss es auch Menschen geben, „die alles verlassen, um dem Herrn nachzufolgen; Menschen, die sich radikal auf Gott verlassen, auf seine Güte, die uns ernährt – Menschen also, die auf diese Weise ein Zeichen des Glaubens setzen, das uns aus unserer Gedankenlosigkeit und Schwachgläubigkeit aufrüttelt.“ In dieser Bitte tritt aber auch „der eschatologische Horizont – das Künftige ist wichtiger als das Gegenwärtige,“ zu Tage. Zwei Aspekte klingen in der Bitte an. Einmal wirklich um das „Brot für den Tag zu bitten“, um das Notwenige, was für den Tag gebraucht wird, und „darum, dass der Herr schon jetzt „heute“ das künftige Brot schenke, das Brot der neuen Welt – sich selbst“ – das eucharistische Brot. Schon die Väter haben diese Bitte „als Eucharistie – Bitte verstanden; in diesem Sinn steht das Vaterunser als eucharistisches Tischgebet in der Liturgie der heiligen Messe.“ Das heißt doch dann wohl, dass die Bitte um das Brot für heute irdisch und eschatologisch zu verstehen ist. Aus der Heiligen Schrift wird ersichtlich: „Das Thema Brot hat einen wichtigen Platz in der Botschaft Jesu – von der Versuchung in der Wüste, über die Brotvermehrung bin hin zum letzten Abendmahl. Die Brotrede Jesu in Joh 6 erläutert zum besseren Verstehen, dass Jesus den Hunger von tausenden von Menschen stillt, aber er belässt es nicht dabei. Vielmehr sagt er, dass der Mensch nicht allein vom Brot lebt, sondern von Gottes Wort (vgl. Mt 4,4)“ Das fleischgewordene Wort, Jesus Christus, ist das „Brot für die Menschen, die ihm folgen.“  Das Wort, das Mensch geworden ist, „gibt sich uns im Sakrament, und so erst wird vollends das ewige Wort Manna (vgl. Dtn 8,3), die Gabe des künftigen Brotes schon heute.“ Schon heute beten wir also „um das Morgige.“ So „werden wir ermahnt, schon jetzt aus dem Morgigen zu leben, aus der Liebe Gottes, die uns alle in Verantwortung füreinander ruft.“ Hierher passt dann auch die Aussage Cyprians: „Wir, die wir die Eucharistie als unser Brot empfangen dürfen, müssen aber doch auch immer darum beten, dass keiner weggeschnitten, getrennt vom Leib Christi bleibe.“ Wir bitten um das „tägliche Brot heute“, um nicht verloren zu gehen, um Christus nicht zu verlieren.

(Die obigen Gedanken und Zitate zum „Vater unser“ fußen im „Meditationsbuch „Meditationen über das „Vater unser“ von Josef Ratzinger/Benedikt XVI im Herder Verlag (– hier die Seiten 69 bis 84 -). Der Verlag führt im genannten Buch folgendes an: „Der Text dieses Buches ist das 5. Kapitel („Das Gebet des Herrn“) aus: Josef Ratzinger/Benedikt XVI: Jesus von Nazareth. Erster Teil. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung, Freiburg – Basel – Wien 2007, S. 162 – 203, 409f und 411f auf Grundlage des in der Vorbereitung befindlichen 5. Auflage. Zur Vermeidung von Brüchen im Lesefluss werden auch Zitate an die gültige reformierte Rechtschreibung angeglichen. Der Autor hat zahlreiche Bibelstellen aus dem Urtext selbst übersetzt. Der Wortlaut kann von der „Einheitsübersetzung“ oder anderen Übersetzungen abweichen.“

Die Überschriften über die Kapitel sind dem oben genannten Meditationsbuch entnommen und von mir durchnummeriert worden. – P. Wilhelm von Rüden msf

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