Unser Glaube 53

Wilhelm von Rüden MSF

VII: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben

In unsrer Welt in der wir leben gibt nun einmal Schuld, und diese Bitte setzt sie voraus. Wer sich schuldig macht, verletzt die Wahrheit und die Liebe. Darum ist dies dazu zu sagen: „Die Überwindung von Schuld ist eine zentrale Frage jeder menschlichen Existenz; … Schuld ruft Vergeltung hervor; so bildet sich eine Kette von Verschuldungen, in der das Unheil der Schuld fortwährend wächst und immer unentrinnbarer wird.“ Natürlich kann Schuld auch überwunden werden, auch das sagt uns diese Bitte, aber „durch Vergebung, nicht durch Vergeltung.“ Wir glauben, dass Gott „seine Geschöpfe liebt“ und deshalb auch Vergebung schenkt.

Die Vergebung Gottes wird aber nur dadurch wirksam, wenn ich bereit bin selbst zu vergeben. Vergebung ist so auch Thema des Evangeliums. In Mt 23f geht es darum, dem Bruder, der etwas gegen mich hat, zu vergeben. „Unversöhnt mit dem Bruder (der Schwester) kann man nicht zu Gott hintreten; ihm zuvorzukommen in der Geste der Versöhnung, ihm entgegenzugehen, ist Voraussetzung rechter Gottesverehrung.“ In der Menschwerdung Jesu ist Gott „aus seiner Göttlichkeit aufgebrochen“ und ist so auf uns zugegangen um uns zu versöhnen. Die Fußwaschung Jesu zeigt uns, dass Jesus uns liebt und darum den Dienst eines Sklaven tat. Aus Mt 18,23-35, dem „Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht“, wird klar: „Was immer wir einander zu vergeben haben, ist gering gegenüber der Güte Gottes, der uns vergibt.“ Und darum bittet Jesus am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun (Lk 23.34).“  Was aber geschieht in der Vergebung? „Schuld ist eine Wirklichkeit, eine objektive Macht, sie hat Zerstörung angerichtet, die überwunden werden muss. Deshalb muss Vergebung mehr sein als Ignorieren, als bloßes vergessen wollen. Schuld muss aufgearbeitet, geheilt und so überwunden werden.“ Zum Nulltarif gibt es Vergebung nicht. Das im verletzten Menschen „geschehene Böse“ muss sozusagen „verbrennen und darin sich selbst erneuern“. Nur so kann es gelingen, „den Schuldigen in den Prozess der Verwandlung, der inneren Reinigungen“ hineinzunehmen. Mit unserer eigenen Kraft können wir das Böse aber nicht überwinden, nur mit der Kraft des Kreuzes Christi kann das gelingen. Uns Menschen von heute fällt es schwer zu glauben, dass das Leiden Christi am Kreuz Hilfe ist, vergeben zu können. Dass Christus stellvertretend für uns Leid und Kreuz auf sich genommen hat, begreifen wir nur schwer, wenn überhaupt. Kardinal John Newman hat es so gesagt: „dass Gott zwar die ganze Welt mit seinem Wort erschaffen konnte, aber die Schuld und das Leiden der Menschen, die konnte er nur überwinden, indem er sich selbst ins Spiel brachte, in seinem Sohn selbst ein Leidender wurde, der diese Last getragen und durch seine Hingabe überwunden hat.“ Diese Bitte ist „ein christologisches Gebet. … So ruft sie uns zuallererst in die Dankbarkeit dafür und dann auch dazu, mit ihm das Böse durch die Liebe aufzuarbeiten, aufzuleiden.“ Wir sind schwach. Wir vermögen es nicht ohne Schuld zu leben. Wir wissen aus unserem Glauben heraus aber: „, dass unser Bitten eingebunden ist in die Kraft seiner Liebe und mit ihr, durch sie und in ihr dann doch Kraft der Hoffnung werden kann.“

(Die obigen Gedanken und Zitate zum „Vater unser“ fußen im „Meditationsbuch „Meditationen über das „Vater unser“ von Josef Ratzinger/Benedikt XVI im Herder Verlag (– hier die Seiten 85 bis 95 -). Der Verlag führt im genannten Buch folgendes an: „Der Text dieses Buches ist das 5. Kapitel („Das Gebet des Herrn“) aus: Josef Ratzinger/Benedikt XVI: Jesus von Nazareth. Erster Teil. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung, Freiburg – Basel – Wien 2007, S. 162 – 203, 409f und 411f auf Grundlage des in der Vorbereitung befindlichen 5. Auflage. Zur Vermeidung von Brüchen im Lesefluss werden auch Zitate an die gültige reformierte Rechtschreibung angeglichen. Der Autor hat zahlreiche Bibelstellen aus dem Urtext selbst übersetzt. Der Wortlaut kann von der „Einheitsübersetzung“ oder anderen Übersetzungen abweichen.“

Die Überschriften über die Kapitel sind dem oben genannten Meditationsbuch entnommen und von mir durchnummeriert worden. – P. Wilhelm von Rüden msf

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