Unser Glaube 55

Wilhelm von Rüden MSF

IX: Sondern erlöse uns von dem Bösen

In der letzten Bitte des Vaterunsers wenden wir uns „mit der zentralen Hoffnung unseres Glaubens“ an Gott, den wir seid Jesus Vater nennen dürfen. „Errette, erlöse. Befreie uns!“ Mit anderen Worten: Es geht um „Erlösung“, um Erlösung vom Bösen. Was ist mit dem Bösen gemeint? Ist es „das Böse“ oder „der Böse“? Beides kann man nicht trennen.

Aus den Kapiteln des Johannesevangeliums kann man erkennen, dass der Kaiserkult im römischen Reich für die Christen eine Bedrohung war, dass dieser Kult „der totale Anspruch auf den Menschen … war und so die politische – militärische – ökonomische Macht zur totalen Allmacht gipfelte – zur Gestalt des Bösen, das uns zu verschlingen droht. Dies ist gepaart mit der Zersetzung der sittlichen Ordnungen durch eine zynische Art von Skepsis und Aufklärung.“ Der Christ bedroht und ruft deshalb zu Gott. „Erlöse uns, befreie uns vom Bösen.“ Nun ist zwar das römische Reich untergegangen, aber das Böse und der sittliche Verfall ist Faktum auch in unserer Gegenwart. Zu nennen sind: „die Mächte des Marktes, des Handelns mit Waffe, mit Drogen und mit Menschen, die auf der Welt lasten und die Menschheit in Zwänge hineinreißen, die unwiderruflich sind. Oder denken wir „die Ideologien des Erfolgs, des Wohlbefindens, die uns sagt: „Gott ist nur eine Fiktion, er nimmt uns nur Zeit und Lust des Lebensweges. Kümmere dich nicht um ihn! Suche allein vom Leben so viel zu erhaschen, wie du kannst.“ Wenn wir uns die vielfältigen Versuchungen im Leben anschauen, dann wird und bewusst: „Erst wenn du Gott verloren hast, hast du dich selbst verloren; dann bist du nur noch ein zufälliges Produkt der Evolution.“ Dann der Böse, das Böse wirklich gesiegt. Mit der letzten Bitte bitten wir ganz inständig, „dass und der Glaube nicht entrissen wird, der uns Gott sehen lässt, der uns mit Christus verbindet.“ Wir wollen Gott unser Gut nicht verlieren. Wenn Gott für uns ist, dann kann keiner, so Paulus, gegen uns sein (vgl. Röm 831-39). Mit der letzten Bitte des Vaterunsers „bitten wir letztlich um Gottes Reich, um unser Einswerden mit seinem Willen, um Heiligung seines Namens. Die Beter aller Zeiten haben die Bitte freilich weiter gefasst. In den Drangsalen der Welt baten sie Gott doch auch darum, den „Übeln“ Einhalt zu gebieten, die die Welt und unser Leben verwüsten.“ Ja, es gibt so viel Drangsal in der Welt, dass der Mensch das Leben oft als unerträglich empfindet. So ist dann auch der Kern dieser Bitte, „dass wir von Sünden befreit werden, dass wir das Böse als das eigentliche „Übel“ erkennen und dass uns der Blick auf den lebendigen Gott nie verstellt werde.“

(Die obigen Gedanken und Zitate zum „Vater unser“ fußen im „Meditationsbuch „Meditationen über das „Vater unser“ von Josef Ratzinger/Benedikt XVI im Herder Verlag (– hier die Seiten 109 bis 116 -). Der Verlag führt im genannten Buch folgendes an: „Der Text dieses Buches ist das 5. Kapitel („Das Gebet des Herrn“) aus: Josef Ratzinger/Benedikt XVI: Jesus von Nazareth. Erster Teil. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung, Freiburg – Basel – Wien 2007, S. 162 – 203, 409f und 411f auf Grundlage des in der Vorbereitung befindlichen 5. Auflage. Zur Vermeidung von Brüchen im Lesefluss werden auch Zitate an die gültige reformierte Rechtschreibung angeglichen. Der Autor hat zahlreiche Bibelstellen aus dem Urtext selbst übersetzt. Der Wortlaut kann von der „Einheitsübersetzung“ oder anderen Übersetzungen abweichen.“

Die Überschriften über die Kapitel sind dem oben genannten Meditationsbuch entnommen und von mir durchnummeriert worden. – P. Wilhelm von Rüden msf

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